NZ#14: Mount Taranaki oder wie ich lernte, den Vulkan zu fürchten

New Plymouth/Mount Taranaki – 7.1.15. Nächstes Highlight auf unserer Tour ist die Region Taranaki, dort die Stadt New Plymouth. Basecamp ist im Ducks and Drakes Motel & Hostel in der Lemon Street in New Plymouth – eine sehr gute Wahl. Die Besitzer, ein nettes Paar nur ein paar Jahre älter als wir, sorgen sich arg um die Gäste. Unglaublich guten Kaffee haben sie auch. Wir haben einen guten Deal

für zwei Nächte, ein Studio en suite, vollausgestattet mit ihnen gemacht, Wi-Fi gab’s obendrauf for free (1,2 GB für 30 NZD sonst für nicht BBH- Mitglieder, 220 statt 290 total). Für mich definitiv die erste Adresse für den nächsten Besuch in der Taranaki area. Außer, du willst in das 4 Jahreszeiten.

Heute auf dem Plan steht der Summit des Mt. Taranaki. Er thront ja sowieso schon über der Stadt und der gesamten Bucht kreisrum. Nicht, dass man sich ihm entziehen könnte.

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Das Sprichwort sagt:

Wenn du den Gipfel nicht siehst, regnet es. Und wenn du ihn siehst, wird es bald regnen.

Über 60 Menschen hat der Vulkan schon auf dem Gewissen und sein nächster Ausbruch ist zudem überfällig. Dazu ist es mein erster richtiger Vulkan, den ich begehe. Nicht ankommen ist also keine Option.

Wir sind morgens um acht am Berg, kurz im Visitors Center registriert (wie gesagt: Einige kehren nicht zurück, da ist es gut, zu wissen, wer das war) und noch eine Topo-Karte besorgt.
Dann Aufstieg.
Die Facts:

– für die gesamte Tour sind als reine Gehzeit zwischen acht und zehn Stunden veranschlagt exkl. Pause (6h hoch, 3h runter)

– 1640 Höhenmeter bis zum Summit verteilen sich auf nur 6,3 Kilometer (und nochmal zurück beim Abstieg)

– 5 völlig verschiedene Untergründe inkl. Hochalpine & Schnee, Eis

Berg der drei Jahreszeiten: alles kann passieren an einem Tag

– keine bewirtschafteten Hütten

– keine Schutzräume ab etwa 1,5 Stunden nach Start (also nur sehr weit unten…)

– i.d.Regel weniger als 50% Chance, vom Gipfel eine Aussicht zu haben, wenn er morgens im Nebel ist

Beste Bedingungen also für eine massiv schwere Tour. Der Vulkan bleibt nur wenig unter der Zugspitze zurück. Wir wollen ja wie immer unter der Prognosezeit bleiben. Aber kein Hillrunning.

Der Kiwi geht straight auf den Vulkan

Los geht’s um 20 nach Acht sehr bewölkt die ersten 1:20 Stunden durch The Puffer bis zur, naja, ‚Hütte‘. Nebendran ein Funkturm, siehe Bild. Frühstückspause zehn Minuten. Schon arg steil das Stück, aber die Schuhe haften noch auf dem Untergrund, da mehr oder weniger ein Fahrweg. Etwa die Hälfte der Wegstrecke, 3 Kilometer, haben wir da schon hinter uns. Sicht: 15 Meter, wir glauben nicht, dass wir oben etwas sehen und erwarten den Regen. Gehen trotzdem weiter. 9:50 Uhr.

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Nach der Pause geht es weiter aufwärts und uns erleichtern ein paar Stufen und abgefallenes Gestein von einem Hang den Aufstieg im leichten Niesel.

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Dann wieder anderer Untergrund: loser Schotter und Geröll im Nebel, Die Hangneigung hat angezogen, jetzt sind es 45 Grad und weniger werden es bis zum Gipfel nicht.

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Steil, steiler, Mt. Taranaki

Mit guter Gehtechnik rutscht man vielleicht nur einen halben Schritt zurück bei jedem Fußtritt. Extrem anstrengend und demotivierend. Etwa 1:45 Stunden für diese krasse Sektion, dann 10 Minuten Pause vor The Lizard.

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Aber Glück haben wir: der vorgelagerte Gipfel blitzt durch, auch heißt es jetzt spätestens Sonnencreme auftragen. Beine brennen, jetzt wird es eigentlich erst spaßig, denn die Kletterei beginnt endlich, Paradedisziplin. Drei Stunden und fünf Minuten am Laufen bisher.

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In diesem Geröll- und Schotterfeld haben nach unserer Beobachtung die meisten Hiker aufgegeben und umgedreht. Verständlich.

The  Lizard

Der Lizard ist ein Gesteins- und Felsrücken, der bis zum ersten kleineren Gipfel hinaufführt. Leichte Kletterei, etwa 3+/4- UIAA, alles ungesichert, aber stets positiv geneigt. Absturz ist trotzdem nicht ratsam, da Schädelspalter-Qualität. Viel Kraft ist nicht mehr in den Beinchen – gut, dass wir jetzt auf die Arme verlagern können. Wir sind ganz gut in der Zeit, mit bisher gut drei Stunden erwarten uns wohl noch maximal 60 Minuten Schmerzen. Bissigkeit ist hier gefragt.
Und der Abstieg von 2500 Metern.
Aber runter geht’s immer irgendwie…

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Als wir auch den Lizard bezwungen und den Vorgipfel hinter uns gelassen hatten, ging es weiter in eine Senke mit Schneefeld. Der Vulkan wird uns schon nicht verschlucken.

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Das letzte Stück auf den eigentlichen Gipfel war nochmal eine Viertelstunde Kraxelei. 12:50 Uhr aber dann endlich Erlösung. Kiwi würde sagen: awesome, mate.

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Oben gab es dann entspannt 45 Minuten Pause und Mittagessen, ergo eine Semmel, Obst und Wasser.
Um 16:50 Uhr waren wir wieder unten, mussten zwischendurch aber eine lange Bierpause einlegen ;-).

Reine Gehzeit bis Gipfel: 4:00 Stunden.
Reine Gehzeit total: 6:50 Stunden.
Gesamtdauer: 8:30 Stunden.

Fragt nicht nach dem Abstieg.

Würde ich die Tour als Kletterer und wanderaffiner Outdoorjunkie kurz beschreiben:

Steil, schmerzhaft, traumhaft. (nacheinander)

Hätte ich gewusst, wie sich das anfühlt, was mich da erwartet, wäre ich nicht hochgegangen. Oder vielleicht nicht 1,6 km Höhe in vier Stunden. Die Zeit ist jedenfalls top ;-).

Auf der Speisekarte: Teriyaki-Rind im Wok mit typischem Gemüse und Nudeln. Dazu ein Avocado-Tomaten-Appetizer und ein ungewöhnlicher NZ-Chardonnay aus der Hawkes Bay/Ostküste.

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