Wandern in Norwegen: Die Hardangervidda

Dyranut. Die Hardangervidda ist ja ein bisschen komisch: manche Menschen mögen die Landschaft und Wanderungen dort, andere wieder gar nicht, weil die Natur sehr karg und eintönig ist. Die Vidda hat auch den Ruf, besonders

launisch zu sein mit dem Wetter. Und besonders rauh.

Wir haben am 12.07. eine kleine zweitägige Rundtour von der Fjellhütte in Dyranut ausgehend gemacht. Dyranut als Ausgangspunkt generell kann ich empfehlen. Die Möglichkeiten für Touren in den Süden oder Norden (die Fahrstraße verläuft an dieser Stelle von West nach Ost und ist deswegen weniger reizvoll) sind zahlreich, einige knackige Touren führen im Norden bis an den Hardangerjøkulen (Gletscher) heran und drumherum. In der Finsehytta können auch Gletscherwanderungen mit einem Führer gebucht werden.

RUNDTOUR IN DER HARDANGERVIDDA

Unsere Tour führte uns jedenfalls in den Süden. Wir wollten nur eine kurze Rundtour machen, auch um zu sehen, wie attraktiv die Landschaft der Vidda so ist – und um ggf. nicht allzuviel Zeit dort zuzusetzen.

Bis zu unserem Nachtlager auf 1200m war das ausschlaggebende eigentlich der Kampf gegen die Mücken. Schwer, sich das vorzustellen, aber heftig. Unheimlich viele Mücken, die sehr aggressiv waren – Achtung: mentale Belastung! Wer hat schon gern 40 Mücken um sich herum beim Laufen, da muss man schon etwas gelassen sein. Elche in der Hardangervidda haben wir übrigens nicht gesehen ;-).

VON MÜCKEN UND METERN

Die Rucksackhüllen fungierten dann schon als „Mück-o-Meter“ – weniger als etwa 20 Mücken als Mitreisende war das Signal: jetzt könnten wir eine Pause wagen….Paradoxerweise wurden die wenigen Stiche, die wir trotzdem nur abbekommen hatten, erst später sichtbar und reizend. Ich hatte auch den Eindruck, dass die Stiche bei dieser Art von Mücke recht schnell wieder verschwinden. Jedenfalls sind diese aggressiven Tierchen mit Rudelinstinkt (sic!) nicht mit den gemeinen „Hausmücken“ im Garten in Deutschland zu vergleichen.

Das Wetter war am ersten Tag der Tour größtenteils sehr warm und sonnig. Wohl auch deswegen waren die Mücken sehr angezogen von uns. Wenn dann abends im Zelt die Schatten der min. 60 Mücken (gezählt) am Außenzelt wie Spinnen aussehen, bleibt man auch lieber im Zelt. Gut, dass die Apsis vom Wechsel Outpost riesig ist. Wenigstens konnten wir die Mücken halbwegs aus der Apsis raushalten.

WENN DAS UNWETTER IN DER VIDDA KOMMT

Ich übernachte prinzipiell in Zelten, soweit es absehbar ohne Lebensgefahr möglich ist. Das ist für mich näher an der Natur, einfach noch ein wenig echter, als abends warm am Kamin in der Hütte zu sitzen während die Sachen im Tørkerom trocken…Die andere Variante mit Hüttenübernachtungen käme bestenfalls in absoluten Notlagen in Frage – ich fühle mich sonst wie ein Hotelwanderer. Allerdings läuft es sich natürlich ganz anders mit kleinem Gepäck. Allein ein vernünftiges Zelt, Groundsheet, Ausrüstung für Eventualitäten (die in der Vidda sehr sicher eintreten) und Essen/Wasser heben die Gewichtsgrenze weit über die acht Kilo.

Nachts war es jedenfalls sehr stürmisch in der Vidda – fast wären die Zeltstangen gebrochen! Sturm und Regen abends haben die Mücken nur teilweise vertrieben: die haben sich natürlich die geschützte Zeltseite gesucht. Wahnsinn. Auf dem regnerischen Rückweg am nächsten Tag haben wir zwei Briten getroffen, die die Nacht in der Hytte in Dyranut verbracht haben. Die haben gemeint, es wäre wegen Unwetterstärke gewarnt worden für diese Nacht – und es hätte sich bei der Hütte auch nach Unwetter angefühlt…

Diese Tour muss also jeder für sich entscheiden – ich würde sie nicht nochmal im Juli gehen – früher ist schwierig, wegen der Schneeschmelze und unüberwindbaren Flüssen in der Vidda. Später ist vielleicht besser. Auch ist die Landschaft für Wanderer, die nicht so oft in Norwegen waren, weniger interessant als z.B. im Jotunheimen. Ich würde eher zu einer Tour Richtung Norden raten. Da dürfte auch die Aussicht Richtung Gletscher etwas besser sein.

Fazit: Nix für Anfänger, ihr solltet wissen, was euch beim Trekking in der Vidda erwarten kann. Wer sich halbwegs informiert, hat das ja auch sicher mitbekommen. Es ist nicht ungefährlich, wären wir nicht ganz gut vorbereitet gewesen, hätte es durchaus auch ein sehr unangenehmer Trip werden können. Flussdurchwatungen blieben uns erspart, auch wenn wir einen Teil der Route abändern mussten, weil eine auf der Karte eingezeichnetete Brücke über den Fluss nicht mehr existierte. Immer mit GPS.


Und hier kannst du noch mehr von der Hardangervidda sehen: Grandioses Video!

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